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Entsendung


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Definition: Wann liegt eine Entsendung vor?

  • Eine Entsendung liegt dann vor, wenn jemand vorübergehend für seine Firma in einem anderen Land als sonst üblich arbeitet und nach Ablauf der "Entsendezeit" wieder in den heimischen Betrieb zurückkehrt.
  • Ist eine Rückkehr von vornherein ausgeschlossen oder de facto gar nicht möglich, handelt es sich um keine Entsendung.

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Beispiele:

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1. Dienstliche Entsendung in einen EU-Mitgliedsstaat oder EWR-Staat

1. Dienstliche Entsendung in einen EU-Mitgliedsstaat oder EWR-Staat
Zum Beispiel nach Deutschland:

Ein österreichisches Unternehmen entsendet einen Mitarbeiter für die Dauer von 12 Monaten nach Deutschland.

Welche Rechtsvorschriften kommen hier zur Anwendung?
  • In diesem Fall kommt Artikel 14 Abs. 1. a) der Verordnung (EWG) 1408/71 zur Anwendung:
  • Eine Person, die im Gebiet eines Mitgliedstaats (hier: Österreich) von einem Unternehmen, dem sie gewöhnlich angehört, abhängig beschäftigt wird und die von diesem Unternehmen zur Ausführung einer Arbeit für dessen Rechnung in das Gebiet eines anderen Mitgliedstaats (hier: Deutschland) entsandt wird, unterliegt weiterhin den Rechtsvorschriften des ersten Mitgliedstaats, sofern die voraussichtliche Dauer dieser Arbeit zwölf Monate nicht überschreitet und sie nicht eine andere Person ablöst, für welche die Entsendungszeit abgelaufen ist.
Lösung:
  • Bei diesem Beispiel unterliegt die entsendete Person während der Tätigkeit in Deutschland weiterhin den österreichischen Rechtsvorschriften.
  • Im Falle einer Erkrankung erhält der Versicherte gegen Vorlage der Europäischen Krankenversicherungskarte (EKVK) die entsprechenden Sachleistungen direkt bei den deutschen Leistungserbringern.

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2. Dienstliche Entsendung in einen Vertragsstaat (bilaterale Abkommen)

Zum Beispiel nach Kroatien:
Ein österreichisches Unternehmen entsendet einen Mitarbeiter für die Dauer von 24 Monaten nach Kroatien.

Welche Rechtsvorschriften kommen hier zur Anwendung?
  • In diesem Fall besteht ein bilaterales Abkommen zwischen Österreich und Kroatien.
  • Wird ein Dienstnehmer von einem Unternehmen mit Sitz im Gebiet eines der Vertragsstaaten (hier: Österreich) in das Gebiet eines anderen Vertragsstaates (hier: Kroatien) entsendet, so sind bis zum Ende des 24. Kalendermonates nach dieser Entsendung die Rechtsvorschriften des Entsendestaates weiter anzuwenden, als wäre er noch in dessen Gebiet beschäftigt.
Lösung:
  • In diesem Beispiel unterliegt die entsendete Person während der Tätigkeit in Kroatien weiterhin den österreichischen Rechtsvorschriften.
  • Die Bescheinigung über die anzuwendenden Rechtsvorschriften - das Formblatt A/HR 1 - stellt der zuständige Krankenversicherungsträger aus.
  • Bei Leistungsansprüchen ist das Österreich-Kroatische Sozialversicherungsabkommen anzuwenden und daher das Betreuungsformular A/HR 3 für die Sachleistungsaushilfe zu verwenden.
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3. Dienstliche Entsendung in einen Nichtvertragsstaat

Zum Beispiel nach China:
Ein österreichisches Unternehmen entsendet einen Mitarbeiter für die Dauer von 5 Jahren nach China.

Welche Rechtsvorschriften kommen hier zur Anwendung?
  • Nachdem zwischen China und Österreich kein Abkommen in der Krankenversicherung besteht, kommen hier die Bestimmungen des ASVG zur Anwendung.
  • Es gilt § 3 Abs. 2 lit. d: Ein Dienstnehmer gilt als im Inland beschäftigt, wenn sein Dienstgeber den Sitz in Österreich hat und der Dienstnehmer ins Ausland entsendet wird, sofern seine Beschäftigung im Ausland die Dauer von fünf Jahren nicht übersteigt.
Lösung:
  • In diesem Beispiel unterliegt die entsendete Person während ihrer Tätigkeit in China weiterhin den österreichischen Rechtsvorschriften.
  • Bei Leistungsinanspruchnahme gilt § 130 ASVG, demzufolge eventuell erforderliche Leistungen aus der Krankenversicherung zunächst vom Dienstgeber zu tragen sind.
  • Der Dienstgeber hat jedoch gegenüber der Kasse Anspruch auf einen Kostenersatz. Allerdings ist er verpflichtet, den Eintritt eines Versicherungsfalles (Krankheit, Arbeitsunfähigkeit infolge Krankheit und Mutterschaft) innerhalb eines Monats zu melden.
Hinweise:
  • In allen drei angeführten Fällen kann eine Ausnahme von der Regelung über die Versicherungspflicht beantragt werden. Ein solcher Antrag ist direkt beim Bundesministerium für Soziales und Konsumentenschutz einzubringen.
  • Alle im Zusammenhang mit einer Entsendung benötigten Formulare finden Sie im Menüpunkt Formular Download