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Wiedereingliederungsteilzeit


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Freiwilligkeit

Grundlage für das Zustandekommen der Wiedereingliederungsteilzeit ist eine schriftliche Vereinbarung zwischen Dienstgeber und Dienstnehmer über eine befristete Arbeitszeitreduktion. Ein Rechtsanspruch auf eine derartige Teilzeitvereinbarung nach dem Wiedereingliederungsteilzeitgesetz besteht also nicht - sie ist für beide Seiten freiwillig. Eine Mustervereinbarung steht Ihnen unter dem Link in der Rubrik "Formulare" zur Verfügung.

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Geldleistung

Das für die Dauer der Wiedereingliederungsteilzeit (neben dem entsprechend der Arbeitszeitreduktion aliquot zustehenden Entgelt) gebührende Wiedereingliederungsgeld ist vom Dienstnehmer beim zuständigen Krankenversicherungsträger zu beantragen, der auch die Auszahlung für jeweils 28 Tage im Nachhinein durchführt. (Achtung: Ein erneuter Bezug des Wiedereingliederungsgeldes ist nach dem Ende der letzten Wiedereingliederungsteilzeit erst nach Ablauf von 18 Monaten möglich.)

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Höhe des Wiedereingliederungsgeldes

Berechnungsgrundlage ist das zustehende erhöhte Krankengeld (= 60 % der Bemessungsgrundlage), welches entsprechend der Herabsetzung der Normalarbeitszeit zu aliquotieren ist.

Beispiel: Ein Dienstnehmer hat vor der Erkrankung ein Bruttoentgelt von € 2.000,00 bezogen. Nach Berücksichtigung der Sonderzahlungen in Form eines Zuschlages von 17 % beläuft sich die Bemessungsgrundlage auf € 2.340,00. Das erhöhte Krankengeld beträgt somit € 1.404,00.

Aliquotiert man diesen Betrag entsprechend der vereinbarten Arbeitszeitreduktion (z. B. 50 %), ergibt dies ein Wiedereingliederungsgeld im Ausmaß von € 702,00, was wiederum einem täglichen Wiedereingliederungsgeld von € 23,40 (Division durch 30) entspricht.

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(Teil-)Pflichtversicherung

Da bei Ausübung der Wiedereingliederungsteilzeit ein über der Geringfügigkeitsgrenze liegendes Entgelt bezogen werden muss, bleibt die Pflichtversicherung in der Krankenversicherung aufrecht.

Gleichzeitig besteht für den Dienstnehmer eine Teilpflichtversicherung in der Pensionsversicherung. Diese beginnt mit dem Tag, ab dem das Wiedereingliederungsgeld gebührt und endet mit dem Wegfall der Leistung. Als Beitragsgrundlage wird das Dreißigfache der Bemessungsgrundlage für das Krankengeld abzüglich des auf Grund der Wiedereingliederungsteilzeit herabgesetzten Entgeltes herangezogen. Dadurch soll gewährleistet werden, dass weiterhin jene Beitragsgrundlage verwendet wird, die vor Beginn der Wiedereingliederungsteilzeit gegolten hat, und der Betroffene in Bezug auf seine Pension keine Einbußen erleidet.

Die Teilpflichtversicherung ist nicht vom Dienstgeber zu finanzieren, es ist keine Beitragsabrechnung erforderlich.

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Erforderliche Meldungen

Endet die Arbeitsunfähigkeit nach Ende des Entgeltanspruches und tritt der Dienstnehmer die Wiedereingliederungsteilzeit an, lebt das Versicherungsverhältnis automatisch wieder auf.

Vorschreibebetriebe müssen in diesem Fall die Änderung des Entgeltes innerhalb von sieben Tagen nach dem Ende des Kalendermonates, in dem sich die Beitragsgrundlage (Lohn bzw. Gehalt) geändert hat, dem Krankenversicherungsträger melden. Selbstabrechner sind davon nicht betroffen.

Nimmt hingegen ein Dienstnehmer, der wegen "Aussteuerung" (Ende des Krankengeldanspruches) vom Entgelt abgemeldet wurde, seine Tätigkeit wieder auf, ist jedenfalls eine Anmeldung erforderlich.

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Beiträge

Die Ermittlung der Sozialversicherungsbeiträge hat während der ­Wiedereingliederungsteilzeit vom tatsächlichen (reduzierten) Entgelt zu erfolgen, wogegen die Beiträge zur Betrieblichen Vorsorge vom monatlichen Entgelt vor Herabsetzung der Normalarbeitszeit zu entrichten sind. Die Berechnung des tatsächlichen (reduzierten) Entgeltes erfolgt analog zu § 3 des Entgeltfortzahlungsgesetzes (Ausfallsprinzip) und es gebührt daher während der Wiedereingliederungsteilzeit auch eine davor vereinbarte oder zustehende Überstundenpauschale.

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Meldepflicht des Dienstnehmers

Bezieher von Wiedereingliederungsgeld müssen jede Aufnahme einer Erwerbstätigkeit sowie die Höhe des Erwerbseinkommens und jede Änderung der Höhe des Erwerbseinkommens binnen sieben Tagen dem zuständigen Krankenversicherungsträger mitteilen. Jede Änderung des Wohnsitzes ist binnen zwei Wochen anzuzeigen.  

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Auf einen Blick: Voraussetzungen für die Wiedereingliederungsteilzeit

  • Durchgehender Krankenstand von mindestens sechs Wochen im selben Dienstverhältnis unmittelbar vor Beginn der Wiedereingliederungsteilzeit
  • Bestehendes Dienstverhältnis seit zumindest drei Monaten (zum ­selben Dienstgeber)
  • Arbeitsfähigkeit zum Antrittszeitpunkt (ärztliche Bestätigung)
  • Beratung über Gestaltung der Wiedereingliederungsteilzeit durch fit2work (kann entfallen, wenn ein Arbeitsmediziner des Betriebes oder das arbeitsmedizinische Zentrum dem Wiedereingliederungsplan und der -vereinbarung zustimmt)
  • Erstellung eines Wiedereingliederungsplanes
  • Schriftliche Wiedereingliederungsvereinbarung zwischen Dienstgeber und Dienstnehmer (Einbeziehung bzw. Einladung des Betriebsrates, sofern eingerichtet)
  • Bewilligung des Wiedereingliederungsgeld durch den chef- bzw. kontrollärztlichen Dienst des zuständigen Krankenversicherungsträgers (medizinische Zweckmäßigkeit muss gegeben sein)


Rahmenbedingungen der Wiedereingliederungsvereinbarung:

  • Herabsetzung der ursprünglichen Normalarbeitszeit um mindestens 25 % und höchstens 50 % (= Bandbreite der Reduktion; abweichende Vereinbarungen unter bestimmten Voraussetzungen zulässig)
  • Wöchentliche Normalarbeitszeit nicht unter zwölf Stunden
  • Monatliches Entgelt über der Geringfügigkeitsgrenze
  • Dauer von mindestens einem bis (vorerst) maximal sechs Monate (einmalige Verlängerung von einem bis drei Monate möglich)