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Lehrpraxis Neu als Vorzeigeinitiative von Land, TGKK und Ärztekammer

Neues Ausbildungskonzept für junge Landärzte

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Fulpmes. Seit Inkrafttreten der Ärzteausbildungsordnung 2015 ist am Ende der Ausbildung zum Allgemeinmediziner die Ausbildung in einer Lehrpraxis verpflichtend. In Tirol bieten bereits 38 Arztpraxen diese neue Schiene an, vier Jungärzte stehen derzeit in Ausbildung.

„Durch die gute Zusammenarbeit zwischen den Systemträgern Land, Gebietskrankenkasse und Ärztekammer sind wir im Westen Vorreiter bei der Umsetzung dieses neuen, zukunftsweisenden Modells“, freut sich Gesundheitslandesrat Univ.-Prof. DI Dr. Bernhard Tilg: „Durch die Ausbildung vor Ort bei den Hausärzten wollen wir einen nachhaltigen Impuls zur Sicherung der landärztlichen Versorgung schaffen.“

Derzeit wird in 38 Tiroler Arztpraxen die neue Ausbildungsschiene angeboten. Die erforderlichen Mittel werden von den Partnern in unterschiedlicher Höhe aufgebracht, Mittelfristig soll das Angebot tirolweit ausgebaut werden. Grundsätzlich kann jeder niedergelassene Arzt, der die Anerkennungskriterien erfüllt, eine Genehmigung als Lehrpraxis erhalten.

In der Lehrpraxis wird den Turnusärzten die Möglichkeit geboten, ihre praktische Ausbildung im Fachgebiet Allgemeinmedizin direkt beim Hausarzt zu absolvieren. Die Lehrpraxis bietet dabei Gelegenheit, mit dem jeweiligen Arbeitsgebiet direkt vor Ort in Berührung zu kommen und die Arbeitsbedingungen der freien Praxis sowie das Kassensystem kennenzulernen.

Ärztekammer-Präsident Dr. Artur Wechselberger: „Die Inhalte des Fachbereichs Allgemeinmedizin sind am besten dort zu erlernen wo Allgemeinmedizin stattfindet: vornehmlich in der Hausarztpraxis. Wenn es die Lehrpraxis auch schon seit 1994 auf freiwilliger Basis gibt, ist mit der Verpflichtung zur - vorerst sechsmonatigen - Ausbildung bei erfahrenen Lehrpraxisleitern ein großer Schritt zur praxisbezogenen Ausbildung gelungen. In der Lehrpraxis werden die allgemeinmedizinischen Fertigkeiten erlernt, die für die spätere Tätigkeit als Hausarzt notwendig sind. Neben den Grundlagen zur Primärversorgung und zur fachbezogenen Erfahrung lernen sie auch Vorurteile und Ängste zu überwinden. Eine gute Berufsvorbereitung in der Lehrpraxis sollte letztlich auch dazu motivieren, selbst eine Hausarztpraxis zu eröffnen.“

In der Praxisgemeinschaft Dr. Somavilla im Stubaital wird die „Lehrpraxis Neu“ seit Juni erfolgreich umgesetzt. Dr. Sandra Renk absolviert in der Praxis in Fulpmes ihr Lehrpraktikum, Dr. Matthias Somavilla ist ihr Ausbildungsverantwortlicher: „Der Lerneffekt in der Praxis ist ungleich höher, die medizinischen Aufgaben viel breiter.  
              
Zudem lernen die Praktikanten auch über die wirtschaftliche und administrative Organisation einer Praxis“, berichtet der Allgemeinmediziner.

„Viele junge Ärztinnen und Ärzte trauen sich diese Fähigkeiten nicht zu. Sie können diesbezügliche Erfahrungen weder im Laufe des Studiums noch im stationären Bereich sammeln. Insofern setzen wir auf einen nachhaltig wirkenden Impuls durch dieses Projekt“, so Dr. Bernhard Schreiner, Leiter der Abteilung Ärztliche Vertragspartner bei der TGKK.

 

Bildunterschrift (Foto: TGKK/Walch): Schulterschluss für die Sicherung der landärztlichen Versorgung (von rechts): Gesundheitslandesrat Bernhard Tilg mit den Ärzten Dr. Matthias Somavilla und Dr. Sandra Renk sowie Ärztekammer-Präsident Artur Wechselberger und Bernhard Schreiner (TGKK).