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Psychosoziale Gesundheit

Männer müssen heutzutage zahlreiche Anforderungen erfüllen: Sie sollen
erfolgreich im Beruf, aufopferungsvolle Väter, verständnisvolle Partner, am besten
für alle gleichzeitig da und vor allen Dingen immer stark sein. Dieses Rollenbild
hindert jedoch viele Männer daran, sich bei Problemen Hilfe zu suchen.

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Stark ist, wer auch Schwäche zeigt!

Trotz des Umstandes, dass ein gesunder Lebensstil in den letzten Jahren grundsätzlich an Bedeutung gewonnen hat, bleibt doch eines festzuhalten: nämlich dass Männer in Summe noch weniger auf ihre Gesundheit achten als Frauen. Dies betrifft nicht nur ihre Lebensgewohnheiten - sie rauchen und trinken beispielsweise mehr - sondern auch ihren Umgang mit Leiden und Erkrankungen. Denn viele Männer nehmen, wenn überhaupt nur dann medikamentöse, medizinische oder therapeutische Hilfe in Anspruch, wenn es sich nicht mehr vermeiden lässt. Ein Grund für diese Weigerung, sich mitunter selbst bei ernsthaften Problemen in entsprechende Behandlung zu begeben, ist ein bestimmtes Verständnis von Männlichkeit, das noch immer in vielen Köpfen verankert zu sein scheint. Diesem Bild zufolge gilt es als unmännlich, Schwäche zu zeigen, weshalb es viele Männer meist sogar schon große Überwindung kostet , sich etwaige Schmerzen und Beschwerden überhaupt einzugestehen. Oft bedarf es dann schließlich eines Anstoßes von außen, bevor sie bereit sind, ihre Lage zu akzeptieren und Unterstützung zu suchen - sei es nun im privaten Umfeld oder bei einem ausgewiesenen Experten.

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Der Experte Mag. Bernhard Hungsberger, Psychotherapeut und Vorstandsmitglied im Tiroler Landesverband für Psychotherapie zum Thema:

"Die Vorstellung, ein Mann müsse um jeden Preis "stark" sein, dürfe weder Schwäche noch Gefühle zeigen und müsse mit seinen Problemen selbst klarkommen, hat in den letzten Jahren an Dominanz eingebüßt. Männer merken, dass das alte, traditionelle Rollenverständnis nicht mehr funktioniert, vor allem in der Partnerschaft oder als "moderner Vater". Viele Männer begenen den mit diesen Rollenbildern einhergehenden Erwartungen erstmal mit Ratlosigkeit und Überforderung. Gerade dann ist es wichtig, sich auch psychotherapeutische Unterstützung zu holen."

Unsere Botschafter zum Rollenbild des moderenen Mannes und das Problem der Mehrfachbelastung:


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Alessandro Schöpf - Fußballprofi

Die Anforderungen an den jungen Mann haben sich in den vergangenen zehn Jahren stark verändert. Erscheinungsbild, körperliche Fitness und Status - Erwartungen, die gemeinsam schwierig zu erreichen und erfüllen sind. Besonders im Profisport ist man mit psychischem Druck konfrontiert. Die Leistung muss immer abgerufen werden können und am Punkt da sein. Natürlich kämpft man da auch ab und zu mit sich selber, muss manches hinterfragen und sich selber wieder motivieren. Sich selbst dann immer wieder auf den Boden der Tatsache zurückzuholen und in sich hineinzuhören ist das A und O. Oft genug werden versteckte, aber gefährliche psychische Erkrankungen übersehen und kommen erst dann ans Tageslicht, wenn es schon zu spät ist. Es ist wichtig, mit diesen Erkrankungen offen umzugehen und dieses Tabu aus der Welt zu schaffen. Darum ist es mir ein Anliegen, für die Gesundheit junger Männer einzustehen und darauf aufmerksam zu machen, dass es keinesfalls unmännlich ist, offen über Probleme zu sprechen. 


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Gregor Bloéb - Schauspieler

Beruflichen Erfolg einheimsen und dann noch ein "erfolgreiches" Familienleben führen, ist wohl das höchste der Gefühle. Ja, es ist das Gelbe vom Ei, das Besteste vom Besten. Aber wenn es nicht nur eine Disneyphantasie, eine Wunschtraumfabrik sein soll, muss man sich eingestehen: Das alles ist kein Zuckerschlecken. Wir modernen Familienväter sollen Rollenbilder ausfüllen - am besten das vom verständnisvollen sensiblen Ehemann, der aber auch weiß wo's lang geht. Wir sind Windelwechsler, Kumpelpapas, das personifizierte Kindertaxi und zugleich sollen wir auch irgendwie eine Autoritätsperson darstellen. Wir sind der Bürohengst und nicht der Bürowallach, aber selbstverständlich nicht zu "hengstlich" und schon gar nicht ängstlich. Ja... uff... nein, es ist keine leichte Aufgabe. War es früher nicht viel einfacher? Mann hat's Gerschtl nach Hause gebracht, und da saß ein Heimchen hinter dem Herd, und die Kinderlein haben gespurt. Stimmt - einfacher wird's wohl gewesen sein. Aber auch gehaltvoller? Erfüllender? Sinnlicher? Ein Soloabend, ein Monolog im Theater kann was Beeindruckendes sein, aber wirklich tiefgreifende emotionale Erlebnisse sind immer Dialog. Immer ein "Miteinander". Ein gutes Zusammenspiel, Kompromisse und Eingeständnisse, das ist, was eine Familie ausmacht. Nicht nur Frauen haben sich emanzipiert, nein, auch wir Männer: Wir wollen Partnerinnen und keine unterdrückten Hauspatschn. Wir wollen keine kuschenden Kinder mehr, sondern kuschelnde Kinder - und das ist gut so. Wir Männer können auch unsere Freiheit genießen, ohne immer der Stärkste und der Beste sein zu müssen. Zumal der wirklich Starke immer weiß, wann er auch schwach sein kann, und der wirklich Beste auch anderen das Beste wünscht. Loslasse, Pausen einlegen, Belastungen mit Humor wegwischen, Freiräume schaffen, eine kleine Skitour gehen, Natur, eine gute Jause zu sich nehmen. Übrigens, der Frühling ist da, und wir habne wieder das Trampolin aufgestellt. Die Rasselbande hat es sogleich in Beschlag genommen und die Federn stundenlang aus ihrem Winterschlaf besprungen. Und immer wieder kam eines der Kinder und hat sich kurz eine Ruhezeit gegönnt. Hat sich zu mir auf den Schoß gelegt und ein paar Streicheleinheiten abgeholt. Kinder wissen genau, wann sie müde sind oder hungrig oder es einfach mal genug ist. Nur ein Beispiel, was wir großen starken Männer von unseren Kleinsten lernen können. 



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Franz Eberharter - Kabarettist und Künstler

Als Mann hat man's nicht leicht, kriegen wir doch von allen Seiten zugerufen, wie wir sein müssen, was wir denken dürfen, wie man sich den Mann von heute vorstellt, was er zu tun oder zu lassen und was er anzuziehen hat, wie erfolgreich er im Job sein und wie perfekt er in der Hausarbeit und Kindererziehung sein muss. Meine Frau ist der Meinung, dass Frau früher sehr oft dazu neigte, sich den Mann so lange nach ihren Wünschen "herzurichten", bis er ihren Vorstellungen entsprach, Sie ihn dann aber nicht mehr mochte. Heute erledigen diesen Psychoterror die Medien. Der Mann soll die berühmte eierlegende Wollmilchsau sein, der zärtliche Frauenversteher mit Durchsetzungsvermögen, erfolgreich im beruf, die Hausarbeit nicht vernachlässigend, viel verdienend, aber ständig zu hause und auf die Kinder schauen, und dann soll er noch über die Werbung "Für das Beste im Mann" lachen, weil es ja Sexismus nur in eine Richtung gibt. Sie kennen diese Werbung gar nicht? Nein, da wird nicht um die Seele des Mannes geworben oder um seine Gefühle oder Talente, nein, "Für das Beste im Mann" braucht es einen Rasierer ?!? Ja, ich gebe zu, Männer können in jeder Lebenslage heillose Todel sein, aber dass das Beste im Mann sein Bart ist, halte ich für genauso abenteuerlich wie das Geschrei nach ewiger Jugend. Muss ich mir wirklich die Haare färben oder Hosen kaufen, wo man zum Anziehen einen Schuhlöffel braucht, damit ich noch immer zu den Jungen zähle? Seien Sie mir nicht böse, aber wenn ich so ein "Männlein steht im Walde" in seinem slimfitten Strampelhosen-Anzug und den zu großen Schuhen sehe, dann stell ich mir vor, wie ihn seine Mama zu Hause auszieht, auf das Töpfchen setzt und ihm dann im Bett noch eine Gute-Nacht-Geschichte vorliest. Ja, wenn Sie jetzt aufheulen, dann haben Sie Recht, aber ich gehöre nun mal zur Generation+ und lasse mir die letzten Jährchen nichts mehr einreden. Ich bin gerne so alt, wie ich bin und finde es toll, wie es die jungen Leute machen, aber ich glaube, das wichtigste ist, das Leben so zu akzeptieren, wie es ist. Enspannt euch Jungs, hier kommt keiner lebend raus, also genießt die zeit, die ihr habt, saugt alles Positive auf und haltet negative Leute von euch fern, denn das ist der Grundstein für ein langes und gesundes Leben. Wenn auchd as letzte Wort in dieser Sache jemand anderer hat.