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Neue Erstversorgungseinheit soll Ambulanzen entlasten

Pilotprojekt am Landeskrankenhaushaus Innsbruck gestartet

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Seit über drei Wochen ist am Landeskrankenhaus Innsbruck eine sogenannte Erstversorgungseinheit zur zielgerichteten und raschen Betreuung und Behandlung von PatientInnen eingerichtet. Es handelt sich hier um ein Pilotprojekt des Landes Tirol und der Tiroler Gebietskrankenkasse mit dem Ziel, abgestuft nach tatsächlicher Dringlichkeit, die Patienten entweder rasch einer Notfallversorgung oder eben einer integrierten Primärversorgungseinheit zu übergeben.

 

„Die Erstversorgungseinheit am Landeskrankenhaus ermöglicht eine Entlastung der Notfallambulanz bei kürzeren Wartezeiten und gezielterer Behandlung der PatientInnen“, gibt Gesundheitslandesrat Univ.-Prof. Dr. Bernhard Tilg das klare Ziel vor. „Die TGKK ist mit der wichtigste Beitragszahler der Tiroler Krankenhäuser. Im Sinne einer effizienteren und bedarfsorientieren Behandlung unterstützen wir dieses Konzept. Es ist mir ein Anliegen, den Patientinnen und Patienten die optimale Versorgung zu bieten“, betont Werner Salzburger, Obmann der TGKK.


Richtige Behandlung am richtigen Ort

Eine Untersuchung an der Universitätsklinik Innere Medizin I hat gezeigt, dass es sich bei 30-40 Prozent der jährlich über 20.000 ambulanten PatientInnen in der Notfallambulanz des Medizinzentrum Anichstraße um keine echten Notfälle handelt.  Das neue Konzept sieht vor, dass die PatientInnen nach einer kurzen Ersteinschätzung (Triage) in der Ambulanz weiter in die Räumlichkeiten der Erstversorgungseinheit geleitet werden, wo sie weiter versorgt werden.

 

„Die Erstversorgungseinheit stellt den ersten Tiroler Beitrag zur neuen Primärversorgung dar, im Herzen Tirols – eine Win-Win-Situation für Patienten, medizinisches Personal und Finanziers. Im Medizinzentrum Anichstraße erhalten Patientinnen und Patienten so die für sie maßgeschneiderte Versorgung – Primärversorgung eben“, ist TGKK-Direktor Dr. Arno Melitopulos überzeugt. Zugleich leiste die Erstversorgungseinheit auch einen zentralen Beitrag zur allgemeinmedizinischen Versorgungssicherheit im Zentralraum, insbesondere während der Randzeiten, der Feiertage, Urlaubszeiten und Brückentage.

 

Primärversorgung dort, wo sie wirkt

Grundlage dafür ist das international anerkannte Klassifizierungssystem „Manchester Triage System (MTS)“, welches die eintreffenden PatientInnen entsprechend der definierten Kriterien nach medizinischer Priorität einstuft (Stufe 1–3: dringlich bis sehr dringlich, Stufe 4–5: weniger dringlich) und eine bedarfsorientierte medizinische Behandlung vorsieht. „Die weniger dringlich Erkrankten werden in der Erstversorgungseinheit behandelt.  Die Notaufnahme wird dadurch spürbar entlastet und die Ärzte dort haben mehr Zeit für die „echten“ Notfälle und Schwererkrankten“, beschreibt Univ.-Prof. Dr. Herbert Tilg, Leiter der Universitätsklinik für Innere Medizin I, die Vorteile des Konzepts.

Die Erstversorgungseinheit ist Montag bis Freitag von 09.00 bis 21.00 Uhr in Betrieb. Ein Arzt/eine Ärztin sowie eine diplomierte Gesundheits- und Krankenpflegekraft stehen durchgehend für Diagnose- und Behandlungsleistungen bereit. 


Wissenschaftliche Begleitung

Seit drei Wochen ist die Erstversorgungseinheit im Medizinzentrum Anichstraße nun in Betrieb. Die ersten Erfahrungen sind sehr positiv. Die Pilotphase ist vorerst bis April 2019 geplant. Ein wissenschaftliches Team soll das Projekt begleiten und mögliche Verbesserungspotentiale identifizieren. „Grundsätzlich ist nach dem Auslaufen die Überführung in einen Regelbetrieb vorgesehen. Bei positiver Evaluierung ist die Implementierung von Erstversorgungseinheiten an weiteren Tiroler Krankenanstalten vorgesehen“, so Landesrat Bernhard Tilg und Obmann Werner Salzburger.

Lokalaugenschein in der Erstversorgungseinheit Anichstraße.

(Foto: Land Tirol/Schwarz):

Lokalaugenschein in der neuen Erstversorgungseinheit (von links): Dr. Clemens Rissbacher (Tiroler Gesundheitsfonds), Univ.-Prof. Dr. Herbert Tilg, TGKK-Obmann Werner Salzburger, Landesrat Dr. Bernhard Tilg mit Univ.-Prof. Dr. Michael Joannidis und TGKK-Direktor Dr. Arno Melitopulos.