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Schulterschluss gegen Zentralisierung der Gesundheitspolitik

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Innsbruck, 10.11.2017. Eine qualitativ hochwertige, wohnortnahe Versorgung zeichnen das Gesundheitsland Tirol aus. Dieser regionale Fokus auf den Bedürfnissen der Menschen soll auch in Zukunft erhalten bleiben. Die Präsidenten der Tiroler Sozialpartner sowie der Ärztekammer für Tirol sprechen sich gemeinsam mit dem Land Tirol gegen eine Absiedelung der Entscheidungskompetenzen und Leistungen nach Wien aus.

Die Tiroler Sozialpartner, Ärztekammer sowie das Land Tirol melden sich anlässlich der Regierungsverhandlungen in Wien deutlich zu Wort: Keine Zentralisierung im Bereich der Gesundheitsversorgung! „Die regionale Gesundheitsverantwortung ist der Garant für eine bestmögliche und flächendeckende Versorgung der Bevölkerung. Die Entscheidungskompetenz über die Versicherungsgelder soll und muss daher vor Ort bleiben. Die Umsetzung der österreichischen Gesundheitsreform setzt auf starke Partnerschaften in den Bundesländern“, steht für Gesundheitslandesrat Bernhard Tilg fest, der in diesem Zusammenhang auch auf ein gemeinsames Positionspapier der VP-Landesgesundheitsreferenten verweist. 

Tirols Ärztekammerpräsident Artur Wechselberger stellt klar: „Wir sprechen uns dezidiert gegen jede Form der Zentralisierung der Entscheidungen in der Gesundheitsversorgung aus. Es widerspricht dem Subsidiaritätsprinzip, wenn medizinische Versorgungsentscheidungen, die unser Bundesland betreffen, in Wien fallen. Ebenso gehört es zum gesellschaftlichen Grundsatz der Selbstbestimmtheit und Eigenverantwortung, dass lokale und regionale Versorgungentscheidungen unter Einbindung der betroffenen Bevölkerung getroffen werden. Die Expertise der Ärztekammer, ihre Mitsprache und Mitentscheidung ist dabei unabdingbar. Nur so kann unser Tiroler Gesundheitssystem erfolgreich weiterentwickelt werden. Das Wissen um regionale Begebenheiten, den Bedarf und die konkreten Bedürfnisse ist bei der Gesundheitsplanung und Versorgung wesentlich.“ Und verweist in diesem Zusammenhang auf gemeinsam mit der Tiroler Gebietskrankenkasse (TGKK) entwickelte Zusammenarbeitsmodelle für Vertragsärztinnen und Vertragsärzte.


Prinzip der regionalen Selbstverwaltung

Über die von Tiroler Arbeiterkammer und Wirtschaftskammer gestellten Versicherungsvertreter ist die regionale Selbstverwaltung innerhalb der Sozialversicherung sichergestellt. „Als Arbeiter, Angestellte oder Wirtschaftstreibende wissen sie um die Bedürfnisse und Probleme der Versicherten und Beitragszahler und haben selbst größtes Interesse, dass ihre Krankenversicherung leistungsstark bleibt, sparsam verwaltet wird und Entscheidungen rasch, unkompliziert und versichertennah getroffen werden“, betont AK-Präsident Erwin Zangerl.

WK-Präsident Jürgen Bodenseer ergänzt: „Es geht hier indirekt auch um drohende Nachteile für den Wirtschaftsstandort Tirol. Viele Gesundheitsdienstleister als Vertragspartner vor Ort würden durch die Finger schauen, vor allem kleine Gewerbetreibende hätten kaum mehr eine Chance. Für mich steht daher fest, dass die Tiroler Gelder und damit die Wertschöpfung auch in Tirol bleiben müssen. Von genau diesem Umlageverfahren lebt schließlich unser Sozialsystem.“

„Der BVA als gesetzlicher Kranken- und Unfallversicherungsträger ist die optimale Betreuung bzw. Versorgung der Versicherten wichtig“, betont auch Vorsitzender Gerhard Seier: „Die Selbstverwaltung zeichnet sich dadurch aus, dass sie sich aus unmittelbar betroffenen Personengruppen zusammensetzt und somit die Interessen der Versicherten wohnortnah vertritt. Nur so ist eine versichertennahe, unbürokratische Kundenbetreuung möglich. Jegliche Reformen in puncto Zusammenlegung bzw. Auslagerung sind daher strikt abzulehnen. Für unsere Versicherten darf es keine Leistungsverschlechterungen geben.“

1,1 Milliarde Euro für Tirols Gesundheit

2016 hat die TGKK mit ihren 585.757 Versicherten – das entspricht knapp 80 Prozent der Tiroler Bevölkerung - wieder über 1,1 Milliarde Euro in die regionale Gesundheitsversorgung investiert. Mit 387 Mio. Euro ist die TGKK der größte Finanzier der Tiroler Krankenhäuser. „Wir sind Garant, dass die Beiträge unserer Versicherten wieder im Land investiert werden. Der verantwortungsvolle Umgang ist uns dabei sehr wichtig. Bei Verwaltungskennzahlen, wie beispielsweise der Betreuungsdichte der Tiroler, den Personalkosten pro Versicherten sowie den Gesamtkosten pro Versicherten haben wir österreichweit die besten Werte. Der Verwaltungsaufwand beträgt lediglich 2,1% des Budgets“, weiß TGKK-Obmann Werner Salzburger.

 

Bildunterschrift (Foto: Walch):

Tiroler Schulterschluss gegen eine Zentralisierung der Gesundheitspolitik (von links): BVA-Vorsitzender Gerhard Seier, TGKK-Obmann Werner Salzburger, AK-Präsident Erwin Zangerl, WK-Präsident Jürgen Bodenseer, WK-Präsident Jürgen Bodenseer und Gesundheitslandesrat Bernhard Tilg.